Arkadas

Jugendliche u. heranw. Ausländer bzw. Migranten, insbesondere Türken, stellen im Bereich der Justizvollzugsanstalt in Pforzheim einen Großteil der Gefangenen. Haftgründe sind insbes. Gewalt-, Drogen- und Eigentumsdelikte. Die Rückfallquote ist hoch, die Wiederaufnahme der delinquenten Verhaltensweisen nicht selten zu beobachten.

Hafthintergrund, schlechte Ausbildung sozialer Kompetenzen und dadurch entstandene Frustrationserlebnisse verdichten schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Mangelnde Motivation, Antriebslosigkeit und gruppendynamische Prozesse begünstigen den Rückfall. Durch gezielte Maßnahmen in der JVA und nach der Haftentlassung sollen unter fachkundiger Anleitung Chancen für ein geregeltes Leben erarbeitet werden. Das Programm "ARKADAS" (Anti-Aggression, Respekt, Konfliktlösung, Arbeitssuche, Deeskalation, Suchthilfe) wurde hierfür entwickelt.

 

Der obenstehende Text war Grundlage der Beantragung für das Projekt „ARKADAS" als Präventionsprojekt.

Nach der Bewilligung wurde der erste von geplanten zwei Intensiv-Kursen durchgeführt.

Es wurden jeweils 3 Kurseinheiten werktags und eine am Wochenende je Woche während der Kurslaufzeit durchgeführt, insgesamt 13 Termine. Danach gab es bis Sommer 2008 jeweils mtl. Treffen.

Teilnehmer waren/sind 8 Gefangene der JVA Hh/PF mit moslemischem Hintergrund ( 2 Iraker, 4 Türken (zwei mit deutschem Paß), 2 Kurden )

Die Bandbreite der Straftaten reichte von Körperverletzung über BTM, Raub bis hin zum Ehrenmord.

Zweimal waren Angehörige einbezogen.

Kursleiter waren Honorarkräfte, die selber Migrationserfahrung haben

Themen der Einheiten während des Intensivkurses waren:

  • Gemeinsam mit den Eltern der Klienten: Einführung in den Kurs
  • Antragstellung beim Arbeitsamt (Referent vom Arbeitsamt Pforzheim)
  • Schuldnerberatung. Ein Leben ohne Schulden (Schuldnerberaterin BZV)
  • Meine Wünsche, Ziele und Berufliche Zukunft nach der Entlassung aus der Haft. Werde ich ,,Dauerarbeitsloser'', Arbeiter oder versuche ich es mit der Selbständigkeit
  • Sucht - und wie kriege ich die los? (Referent Drogenberatung
  • Respekt, was ist das? Wie bekomme ich Respekt, gebe ich Respekt
  • Konflikt und dann? Konfliktlösungsstrategien ohne Gewalt (Referent BZV)
  • Wer bin ich, wie werde ich von den anderen angesehen (als Ausländer?), und interessiert mich das überhaupt?
  • Ich und meine Familie. Trage ich eine Verantwortung für meine Geschwister?
  • Auswertung und Sicherung der Erkenntnisse.
  • Abschlusstreffen mit den Angehörigen
  • Straßenverkehr/Verkehrsrowdytum (Referent Verkehrsschule Pforzheim
  • Bewerbungstraining
  • Werte und Kultur in Deutschland und in meinem Herkunftsland
  • Grundrechte in Deutschland - für alle

Resumee

Die Erkenntnisse aus dem Projekt U-S-A, das darauf setzte, eine verschlossene Zielgruppe durch besonderes Entgegenkommen zu erreichen, sind zum einen, dass homogene (Migranten-)Gruppen nicht geeignet sind, integrative Auseinandersetzung mit den Teilnehmern zu betreiben, dass das Interesse an der Teilnahme überwiegend thematisch erzeugt werden sollte und, dass es sich eher lohnt, mit Personen zu arbeiten, die sich bereits „auf den Weg" gemacht haben, als solchen, die im Widerstand verharren

Dies wurde in der Konzeptionierung des nächsten Projektes ARKADAS sofort umgesetzt. Dieser Kurs richtet sich an Migranten mit moslemischem Hintergrund und bezieht von vornherein Teilnehmer aus verschiedenen Herkunftsländern mit ein. Der Kurs lebte in der vierwöchigen Intensivphase im November/Dezember von den thematischen Inhalten, die an drei Terminen je Woche in 2-stündigen Einheiten bearbeitet wurden. Angehörige der Teilnehmer wurden miteinbezogen. Auch hier waren die Kursleiter Personen mit Migrationshintergrund.

Weitere Vergünstigungen gab es nicht. Zwischenergebnis ist, dass die Teilnehmer über die Nationalitäten hinweg sich als Gruppe gefunden haben und über die Intensivphase hinaus an konstruktiver Auseinandersetzung interessiert blieben. Durch Termine in lockerer Folge bis zum Sommer 2008 soll der Spannungsbogen gehalten werden. Danach sind die meisten Kursteilnehmer entlassen. Ein Treffen außerhalb des Gefängnisses, wiederum mit Angehörigen wird folgen.

Das Projekt „Winter und Werte", an dem Teilnehmer aus den beiden oben genannten Kursen teilnahmen verlief erfolgreich und wurde dem Anspruch gerecht, eine Integrationsmaßnahme zu sein. (Siehe hierzu den Bericht weiter unten!)

Quintessenz aus unserer Arbeit mit Migranten ist, dass es sich durchaus lohnt, sich diesen zuzuwenden und sie abzuholen wo sie stehen. Allerdings ist es nicht sinnvoll, Gelegenheit dafür zu bieten, dass Teilnehmer sich in ihrem „so Sein" bestätigen und die Realität außen vor zu halten, sondern sie rasch in Auseinandersetzung mit den Anforderungen des Lebens in der BRD zu bringen:

Und wieder entsteht das Bild vom Grat zwischen Empathie und Konfrontation vor Augen, welches für unsere Arbeit mit Straffälligen leitend ist - eben nicht nur im Bereich Gewaltprävention.

Der zweite Durchlauf soll im August 2008 starten