Die Arbeit des BZV von 1981-2001

Leitmotive damals und heute

Das Gebäude, in dem heute das GRH "stattfindet", das heute Sitz des Bezirksvereins ist und von dem alle Angebote ausgehen, wurde 1980 gekauft und umgebaut, bevor am 17.07.81 der erste Bewohner einzog, wie das Aufnahmebuch ausweist. Bis heute haben 749 Personen länger oder kürzer im GRH gewohnt.

In der Nichtsesshaften- heute = Wohnungslosenhilfe, hieß und heißt der Leitsatz "ohne Wohnung keine Arbeit, ohne Arbeit keine Wohnung".

Das Leitmotiv für die STFH heißt in entsprechender Abwandlung "Soll die Eingliederung gelingen, muss die materielle Versorgung (nach der Entlassung) gesichert sein."

Dies ist kein besonders eingängiger Slogan, dennoch handelt es sich um eine zentrale Aussage in der sozialen Rechtspflege, die ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren hat. Und sie findet sich wieder in den Hilfen, die einschlägige Gesetze für den Personenkreis vorsehen, z. B: dem § 72 BSHG.
Ohne gesichertes Dach überm Kopf, ohne Geld für Lebensmittel und sonstige Grundbedürfnisse wird sich kaum jemand auf den Weg machen, sein Leben zu verändern.

Dieser Grundsatz und der damals gegebene massive Engpass an Wohnungen für unser Klientel waren 1981 Ausgangspunkt für die Einrichtung eines Übergangswohnheims im GRH.

Das Wohnangebot beinhaltete keine sozialpädagogische Betreuung. Die Erfahrung zeigte dann, dass Probleme von mehreren Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten unter einem Dach kumulieren, sich gegenseitig verstärken, so dass Beratung und Betreuung nötig ist, soll sich etwas ändern.

1984/85 wurde eine Therapeutische Wohngemeinschaft aus dem GRH.

Der damit erhobene und gelebte Anspruch, im engsten Kontakt mit den Bewohnern und intensivster persönlicher Auseinandersetzung deren Veränderung hinzubekommen, musste jedoch reduziert werden - auf Dauer war dies weder für die MA noch für die Bewohner leist- und aushaltbar.

1988 wurde eine Sozialpädagogische Wohngemeinschaft aus dem GRH. Obwohl auch bei diesem offeneren Konzept Bewerber eine "Verpflichtung zur Veränderung" eingingen, um aufgenommen zu werden, somit noch eine recht hohe Zugangs-Schwelle überwunden werden musste, kann man hier den Beginn der, im folgenden Jahrzehnt sich fortentwickelnden, Schwerpunktverschiebung vom stationären bzw. teilstationären Angebot hin zu ambulanten Hilfen festmachen.
1991 wurde dies mit der Installation eines wöchentlichen (ambulanten) Beratungsangebotes in der JVA PF manifest.

 

Ambulante Beratung in der JVA Pforzheim

Das Tor fällt in das Schloss, das kann nicht das Ende sein! Als aufsuchende Arbeit ist die ambulante Beratung in der Vollzugsanastalt der Einstieg in einen Ausstieg aus der Straffälligkeit. Im direkten Kontakt zwischen Berater und Betroffenem kann der bestehende Hilfebedarf erkannt und benannt werden. Entsprechend diesem Bedarf können Beratung, Unterstützung oder Hilfe angeboten, für die Vollzugszeit geplant oder vermittelt werden. Wöchentlich sucht ein Mitarbeiter des BZV die Gefangenen auf, informiert Neuinhaftierte über das Angebot und bespricht mit denen, die eine Anfrage haben ihre Möglichkeiten. Konkret handelt es sich dabei z.B. um die Vermittlung von Gruppenangeboten, von betreuten Wohnmöglichkeiten oder von komplementären Hilfen entsprechend der Bedarfslage.
(Markus Rapp)

1992 kam dann eine neue Qualität zur Angebotsstruktur des BZV hinzu: In Kooperation mit den Jugendämtern der Stadt Pforzheim und des Enzkreises entstand der Täter-Opfer-Ausgleich Pforzheim/Enzkreis. Erstmals bekamen somit Opferinteressen einen eigenen Platz in der Arbeit beim BZV.

 

1992 Täter-Opfer-Ausgleich

Wenn eine Straftat begangen wurde, gibt es nicht nur einen Täter, sondern auch ein Opfer. Beide sind Betroffen. Im TOA werden beide Betroffenen zu Beteiligten gemacht. Der TOA ist eine Form der außergerichtlichen Konfliktschlichtung, bei der die Betroffenen für ihre eigenen Belange Verantwortung übernehmen können. Sie werden dabei von einem allparteilichen Vermittler unterstützt.

In 1992 gab es von der Staatsanwaltschaft 25 Zuweisungen.

Die Vision des Bezirksvereins war es, diese Zahl im darauf folgenden Jahr bereits zu verdoppeln.
(Verena Lindacker)

Mit dem TOA und der angesprochenen Werte-erweiterung veränderte sich auch der Status des BZV als Träger: Wir wurden zum anerkannten Träger der Jugendhilfe und Anbieter einer Jugendhilfemaßnahme im Bereich der Diversion. Erstmals hatten wir somit auch einen Leistungs- und Regel-bezogenen Finanzierungsteil.

Dazu beigetragen hatte der Entschluss, dem Paritätischen beizutreten, was im Oktober 1991 zur Beitrittserklärung geführt hatte.

1993 erfolgte eine weitere Verschiebung des Angebot-Schwerpunktes in Richtung Ambulantes - wenn es auch zunächst so aussah, als würde der teilstationäre Bereich erweitert.

Zwar wurde durch die Auslagerung der (verkleinerten) sozialpädagogischen WG in das Haus Lindenstraße und die gleichzeitige Eröffnung der Sozialpension im GRH tatsächlich der bisherige und vorübergehende Höchststand an Wohnplätzen erreicht (15 + 8+ 4), mit dem Abbau der Zugangs-Schwelle für neue Bewohner aber auch die Betreuungsdichte im teilstationären Bereich verringert.

 

Eröffnung der Sozialpension 1993

Nachdem bei den seitherigen Wohnangeboten aufgrund der höheren Betreuungsdichte und der größeren Verbindlichkeit die Nachfrage nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden war, wurde 1993 mit der Sozialpension, dem Gustav-Radbruch-Haus, ein niedrigschwelliges Wohnangebot geschaffen. Die Möglichkeit , in der Sozialpension zu wohnen, war hier nicht zwingend gekoppelt an eine intensive Betreuung. Lediglich die Einhaltung des Regelwerkes wie Mietsicherung, Teilnahme an Hausversammlungen, Gewalt- und Suchtmittelfreiheit im Haus und ein Minimalkontakt zu den Betreuern waren Voraussetzung für einen Wohnplatz. Angeboten wurden 15 möblierte Einzelzimmer mit Nasszelle bei einer Wohndauer von max. 1/2 Jahr für den Personenkreis, der mit Straffälligkeit in Berührung gekommen ist.
(Werner Kaufmann)

1994 kam zunehmend die Verschuldungssituation der Klienten in den Blick: Ein Mitarbeiter wurde zum Schuldnerberater ausgebildet und fortan gehörte Schuldnerberatung zum Angebot im GRH.

Seit 1994 wird als ergänzende Leistung im ambulanten Bereich die Schuldnerberatung angeboten. Da die meisten Klienten Schulden haben, oft aber nicht einmal mehr wissen, bei welchen Gläubigern oder wie hoch die Schulden sind, stellt dies für viele ein unüberwindbar scheinendes Hindernis auf dem Weg zurück in ein "normales" Leben dar.
Die Angst, dass ein Teil des Lohnes gleich wieder gepfändet werden könnte, motiviert nicht sehr bei der Arbeitssuche. Unser Ziel ist es, den Klienten zu zeigen, dass diese Situation nicht ausweglos ist. So kann in vielen Fällen mit Darlehen aus Resozialisierungsfonds (z.B. Traugott-Bender-Stiftung) eine Sanierung durchgeführt werden, bei der die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderung verzichten.
Die realistische Chance auf eine wirtschaftliche Lebensperspektive ist eine wesentliche Voraussetzung für das Verhindern von Rückfällen in die Straffälligkeit.
(Michaela Bauer)

An dieser Stelle möchte ich auch einem Arbeitsbereich Geltung verschaffen, der üblicherweise nicht erwähnt wird, weil er (Sprache der Qualitätsmanager) keine "Kernprozesse" erbringt, nämlich unsere Verwaltung. Hier war zwar kein übermäßiges Wachstum erforderlich aber doch einiges an Veränderung.

Für die zahlreichen vom Bezirksverein durchgeführten Projekte bedarf es selbstverständlich einer qualifizierten Verwaltung. Zwei Halbtagskräfte sind in diesem Bereich beschäftigt.
Moderne Bürotechnik erleichtert den reibungslosen Ablauf. Ein EDV-gesteuertes Buchhaltungsprogramm mit Kostenstellenrechnung ermöglicht es, jederzeit und detailliert die Kosten für die einzelnen Projekte zu ermitteln. Diese Transparenz ist notwendig, da die Finanzierung der Projekte durch verschiedene Träger erfolgt.
Umfangreiche Dateien und Statistiken geben uns die Chance mit Mitgliedern, Interessierten, kommunalen Stellen, Presse usw. in Kontakt zu treten, um über die Arbeit und Ziele des Bezirksvereins zu informieren. Eine Homepage, die stetig aktualisiert wird, steht seit kurzem zur Verfügung.
(Anne Steinberg)

Nötige Stützprozesse! Wie man auch hier sieht.

1995: Die reale Situation, es gab kaum mehr Gefangene ohne Kontakt zu Suchtmitteln, ließ den lange Zeit aufrechterhaltenen Ausschluss von suchtbelasteten Klienten in Wohneinrichtungen nicht mehr zu. Die Erstellung und Umsetzung einer Konzeption wurde nötig, die den Umgang mit Drogenbelasteten in der Sozialpension vorsah und vorsieht.

 

Angebot für suchtmittelbelastete Personen 1995

Seit der Eröffnung der Sozialpension wurde verstärkt auch von dem Personenkreis nach einem Wohnplatz nachgefragt, der mit langfristigen Drogenbelastungen behaftet war, der sich in einem Drogensubstitutionsprogramm befand oder die Aufnahme in ein solches anstrebte.
1995 wurde daher eine spezielle Konzeption für diesen Personenkreis erarbeitet. Zunächst ging es auch für diesen Personenkreis um die Befriedigung der materiellen Grundbedürfnisse ( Obdach, Anbindung an das soziale Hilfesystem, Hygiene und Selbstversorgung ).
Die materiell abgesicherte Lage sollte ein Abtauchen in die Illegalität beenden oder verhindern. Mit dem materiellen Rahmen und der Betreuung sollte die Möglichkeit zu einer Neuorientierung in allen Lebensfragen sowie die Gelegenheit zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation geboten werden. Nicht aufgenommen werden konnten Personen, die sich nicht von Ihrem Suchtmittelgebrauch distanzierten, bzw. die aufgrund fachlicher Einschätzung z. Zeit nicht in der Lage waren, vom Gebrauch harter Drogen abzulassen.
(Werner Kaufmann)

Wir waren damit eine der ersten Einrichtungen der freien Straffälligenhilfe und darüber hinaus, die diese veränderte Bedarfslage in eine Konzeption umsetzte und ein sozialarbeiterisches Tabu überwand. Unser Leitmotiv war: Keiner sollte seines Problems wegen (von vorneherein) von der Hilfe ausgeschlossen werden.

Als "Betreutes Wohnen für langjährig suchtmittelbelastete Klienten" wurde das Angebot in der WG 1995 für ein Jahr, zum, aus dem Suchthilfebereich, geförderten Modell.

Eine anhaltende Verringerung der Inanspruchnahme der sozialpädago-gischen WG zusammen mit Finanzierungsengpässen führte 1996 zur Schließung derselben.

Auf die Umwidmung der JVA PF zur Jugendhaftanstalt mit geringem Raum und wenig jugendentsprechenden Angeboten reagierten wir mit der Einrichtung von sozialpädagogischen Behandlungsgruppen für Inhaftierte.

 

Treff´R und OT

Hinter Gittern zu sitzen ist nicht genug! Treff´R und Offener Treff wurden die beiden Gruppenangebote für junge Inhaftierte in der Vollzugsanastalt in Pforzheim getauft.
Beide Angebote richten sich an die junge Männer, um eine konstruktive Auseinadersetzung mit ihrer Situation sowie den Zusammenhängen und Bedingungen ihrer Straffälligkeit in Gang zu setzen. Ziel ist es eingefahrene Verhaltensweisen zu erkennen, Handlungsalternativen in der Gruppe zu erarbeiten, zu erproben und sich auf ein straffreies Leben außerhalb der Anstaltsmauern vorzubereiten. Die Gruppe Treff´R findet innerhalb der Vollzugsanstalt statt, der Offener Treff dagegen außerhalb der Mauern und stellt somit den zweiten Schritt: "Das Training im Leben dar."
(Markus Rapp)

Die positiven Erfahrungen mit der Schlichtungsarbeit im TOA führten uns dazu, noch weiter vorne anzufangen: Nicht mehr nur dem Rückfall begegnen, indem schon frühzeitig, nämlich in Haft Beratung und Betreuung geboten wird, nicht nur einer begonnen kriminellen Karriere entgegenwirken, indem Diversion angeboten wird, auch bereits im Vorfeld vorbeugende Impulse zu geben wurde zum Ziel: Der BZV begann mit Präventionsangeboten in Schulen.

 

1996 Schule und Prävention

Schlägereien und Körperverletzungen sind an Schulen Tagesordnung; schon immer.
Doch die Spielarten werden zunehmend ausgeklügelter:
Erpressung und Mobbing breiten sich aus. Schule ist ein Ort, an dem viele Konflikte entstehen bzw. ausgetragen werden. Wissend um die Bedeutung von Präventionsarbeit an Schulen, bietet der Bezirksverein in Pforzheim und im Enzkreis seine Kompetenz an:
An verschiedenen Schulen werden
- Unterrichtseinheiten
- Präventionsveranstaltungen und
- Pädagogische Tage
zum Thema "Gewalt an Schulen" durchgeführt.
(Verena Lindacker)

Der Wunsch, die Arbeit im Bereich STFH positiv zu belegen, dafür zu werben, den gesellschaftlichen Nutzen ins Verhältnis zur Hilfe für die Täter zu setzen, führte uns dazu, auch in der Öffentlichkeitsarbeit neue Wege zu beschreiten.

 

1996 Plakat SHTIRLAFFEE

Das Plakat zeigt die zwingende Verbindung von Strafe und Hilfe. Hilfe ist in diesem Zusammenhang notwendig, damit einer erneuten Straffälligkeit vorgebeugt und einer Resozialisierung der Weg geebnet wird. Die Tatsache, dass sich dem Betrachter nicht unmittelbar erschließt, was das Wort "SHTIRLAFFEE" bedeuten soll, sowie das große "?" im Zentrum des Plakats, symbolisieren einerseits den Verwirrungszustand bzw. die Unklarheiten und Unsicherheiten, die auf der Seite der Gefangenen mit einer Inhaftierung verbunden sind, und andererseits die Schwierigkeiten und Hindernisse, mit denen sich die Straffälligenhilfe konfrontiert sieht.
(Sascha Oechsle)

1997 wurde dem BZV seitens der Jugendämter die Durchführung einer weiteren Jugendhilfemaßnahme im Bereich Diversion angetragen: Die sozialen Trainingskurse.

 

1997: Sozialer Trainingskurs

Der STK ist ein Angebot für Jugendliche zwischen 14- u. 21 Jahren, die wegen begangener Straftaten verurteilt wurden. Der STK zielt darauf ab, dem Eintritt bzw. dem verstärkten Eintritt der jungen Menschen in kriminelle Karrieren entgegen zu wirken.
Der Kurs wird in Blockseminaren von jeweils 4 ½ Tagen mit zwei Betreuern außerhalb von Pforzheim abgehalten. Die zentrale Frage, die sich durch den Kurs zieht, ist: Was können die Jugendlichen selber tun, um nicht mehr straffällig zu werden bzw. wie können sie Konflikte zukünftig anders lösen als bisher.
(Stefanie Arlt)

Mit dem hinzugekommenen Arbeitsbereich konnte das Werkstück "frühzeitig einsetzende sozialpädagogische Hilfe für ein Leben ohne Straftaten" mit einem weiteren Werkzeug bearbeitet und ein weiterer refinanzierter Arbeitsbereich erschlossen werden.

Für die Ziele der STF- und OpferH beim Bezirksverein in einer Alltagsbroschüre zu werben - ein weiterer Schritt auf dem neuen Weg der ÖA.

 

1997 Werbeaufdruck

Der Werbeaufdruck im Verzeichnis der Sozialarbeiter der Justiz macht es sowohl potentiellen Klienten, als auch professionellen Helfern und anderen Interessierten möglich, das Angebot des Bezirksvereins zu übersehen, und im Fall des Interesses einen telefonischen Kontakt herzustellen, um sich über betreffende Angebote zu informieren.
Das vorangestellte Motto "Hilfen zur Eingliederung für ein Leben ohne Straftat" spricht Betroffene an und erregt Aufmerksamkeit. Auch auf der neuesten Ausgabe des Verzeichnisses ist der Bezirksverein mit einer Anzeige vertreten.
(Sascha Oechsle)

Im 4.Quartal des Jahres wurde mit der Einarbeitung zweier Mitarbeiterinnen die Übernahme der Straffälligenhilfearbeit für die Gefangenen der JVA Hh ab 1998 vorbereitet, die dann im Januar 1998 erfolgte. Damit ergab sich neben einem gewaltigen Zuwachs an Klienten auch eine erhebliche Ausweitung unserer Gruppenarbeit:
2 Gruppen außerhalb der JVA als ambulante sozialpädagogische Behandlungsformen unter Einbeziehung von ehrenamtlichen Mitarbeitern

 

Zwei Gruppen außerhalb der JVA...

(Einbeziehung von ehrenamtlichen Mitarbeitern)

Die Montags - und Dienstagsgruppe, zwei Gruppen zur Entlassungsvorbereitung für Inhaftierte, die bereits erste Schritte außerhalb der Gefängnismauern machen können, d.h. Lockerungen haben oder solche über die Gruppenteilnahme bekommen können.

Es wird hier nochmals beleuchtet, welche Faktoren zur Straftat geführt haben, was die Teilnehmer tun können, um künftig ein straffreies Leben zu führen.

Ein Rahmen soziale Fähigkeiten zu trainieren oder zu erlernen wird geboten. Informationen über Unterstützungsangebote, Rechte und Pflichten nach der Haftentlassung gegeben.

Nicht zuletzt versuchen wir den Teilnehmern Anstöße zu einem sinnvollen , alternativen Freizeitverhalten zu geben.
(Susanne Höhlein)

 

Ehrenamtlichenarbeit

Seit 1998 arbeite ich mit den Mitarbeitern des Bezirksvereins Pforzheim zusammen als ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Straffälligenhilfe. Ich habe bemerkt, dass ich in diesem Bereich durchaus hilfreich wirken kann und auch manchem Inhaftierten Lebensmut sowie Lebensfertigkeiten vermitteln kann.

Mein Anliegen ist es, dem Straffälligen durch Rat und Tat zu helfen, ihm den Übergang von der Haft in die Freiheit zu erleichtern, auch soziale Möglichkeiten aufzuzeigen.

Auch ich profitiere von vielen Kontakten und Gesprächen - und wohl nirgendwo gibt es unterschiedliche Charaktere.
(Karin Huber)

Des weiteren wurde eine Infogruppe für Neuinhaftierte und eine Gruppe für Langinhaftierte eingerichtet.

 

Infogruppe für Neuinhaftierte Langstrafengruppe

Die Informationsgruppe für die neu inhaftierten Untersuchungsgefangenen soll helfen Schaden , der durch die Festnahme entsteht zu begrenzen. Die Inhaftierten sollen befähigt werden, sich um ihre Angelegenheiten, die sie draußen hinterlassen haben verantwortungsvoll zu kümmern um so möglichst auch von der Inhaftierung mitbetroffene Angehörige zu entlasten. Nicht zuletzt wird hier erste Krisenintervention geleistet.


Die Langstrafengruppe ist ein dauerhaftes Angebot für Inhaftierte mit langjährigen Haftstrafen.

In Gesprächen und Diskussionen wird auf deren besondere Situation in Haft und die damit verbundenen Schwierigkeiten, wie Verlust von sozialen Kontakten nach draußen, zunehmende Sozialisation in den Gefängnisalltag und vieles mehr eingegangen und versucht den negativen Einflüssen entgegen zu steuern.

Dauerhafte und kritische Reflexion des eigenen Verhaltens wir gefordert.
(Susanne Höhlein)

Und schließlich ein Gruppenangebote für Angehörige von Inhaftierten.

 

Gruppenangebote für Angehörige von Inhaftierten

Von einer Stunde auf die andere ist der Mann , Sohn oder Vater aus dem Alltagsleben verschwunden : in Haft genommen wegen einer ihm vorgeworfenen Straftat.
Die Frage Missliches Schicksal oder gerechtfertigte Folge beschäftigt auch die Zurückgebliebenen neben vielen existenziellen Fragen nach der nächsten und ferneren Zukunft sowie der Frage, ob sie einen Beitrag zur Vermeidung der Situation hätten leisten können.
Die Installation einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Inhaftierten soll die Möglichkeit geben Kontakte zu Mitbetroffenen herzustellen, Entlastung zu erfahren, Informationen einzuholen sowie Rückhalt zu finden. Wir machen die Erfahrung, dass es den Angehörigen sehr schwer fällt, sich mit ihrem Hilfebedarf zu offenbaren und Unterstützung in der Gruppe zu suchen.
(Susanne Höhlein)

Mit unserem Engagement in Heimsheim wurden wir auch für den rudimentären Bereich unserer Arbeit, der STFH, Kooperationspartner des Enzkreises, der hierfür einen jährlichen Zuschuss gibt.

Parallel zur "Übernahme von Hh" floss die präventive Arbeit in ein konkretes Angebot: Die Schlichtung von Konflikten zwischen Schülern in der Schule als Vorbereitung eines Schlichtungsklimas und der Ausbildung von Schülern zu Schlichtern.

 

1998 Schulmediation

Große und kleine Konflikte zwischen Schülern landen erfahrungsgemäß bei der Schulleitung. Diese soll sofort und gerecht reagieren. Das gelingt nur selten. Bundesweit kommt die Idee der Streitschlichtung an Schulen auf. Auch der Bezirksverein entwickelt eine Konzeption. Die Konzeption wird an der ersten Schule (Haidachschule) umgesetzt: Eine Gruppe von Schülern und Schülerinnen wird vom Bezirksverein zu Streitschlichtern ausgebildet. Ziel ist es, dass Schüler ihre eigenen Konflikte selbst lösen und zwar ohne Gewalt. Die ausgebildeten Streitschlichter unterstützen wiederum die anderen Schüler dabei. Der Bezirksverein hat mittlerweile an drei Schulen dieses Projekt installiert. Anfragen weiterer Schulen gibt es bereits.
(Verena Lindacker)

Unser Mitwirken an der kommunalen Kriminalprävention führte zu diesem Angebot und seiner Inanspruchnahme.

Für uns ein wichtiges Angebot, das von der Zielbeschreibung in der Satzung gedeckt ist, obwohl Opferhilfen und Prävention nicht explizit erwähnt werden. Umso größer unsere Freude darüber, dass auch für diesen Teil unsere Arbeit, inzwischen werden ein bis zwei Projekte pro Jahr durchgeführt, jeweils der Kostenersatz vereinbart werden konnte.

Ohne Kostenersatz blieb natürlich auch ein weiteres Medium für die ÖA.. Wichtig und richtig erscheint es uns weiterhin, zumal die Fallzahlen im TOA deutlich unter Plan stagnieren.

 

1997 TOA-Plakate

Durch die graphische Umsetzung des Themas Täter-Opfer -Ausgleich auf zwei Plakaten, wird berücksichtigt, dass es bei einer Straftat immer zwei beteiligte Seiten gibt - die Täter- und die Opferseite. Die Äußerungen auf den jeweiligen Plakaten veranschaulichen welche Interessen beide Seiten in einem TOA verfolgen können, welche unterschiedlichen Motive zur Teilnahme an einem TOA bewegen und zu welchem Zweck die Zusammenführung in einem TOA dienen kann.
Die gängige Fokussierung alleine auf den Täter wird zugunsten einer Wahrung der Rechte beider Seiten, aufgehoben.
(Sascha Oechsle)

1999 erfolgte ein weitere Umgewichtung zum Ambulanten: Einhergehend mit einer starken Begrenzung der Aufenthaltsdauer wurde bedarfsentsprechend die Platzzahl in der Sozialpension erheblich verkürzt.

 

Reduzierung der Wohnplätze in der Sozialpension 1999

Im Jahr 1999 kam es zu einer Reduzierung der Wohnplätze Als Gründe hierfür sind zu sehen, dass
* die Bewerberzahlen zurückgegangen sind und dass
* die durchschnittliche Verweildauer in der Wohneinrichtung sich verkürzt hat
Als Hauptursache wurde (von den Mitarbeitern) die erhebliche Entspannung am freien Wohnungsmarkt im Raum Pforzheim gesehen

Daher erfolgte eine Anpassung an den tatsächlichen Bedarf sowohl der Anzahl der Wohnplätze, als auch der Wohndauer
* Fortan stehen 5 Wohnplätze + ein Platz für Hafturlauber zur Verfügung
* die max. Wohndauer beträgt 8 - 10 Wochen

Die grundsätzliche Notwendigkeit einer Wohneinrichtung wurde jedoch nicht in Frage gestellt, da:
* vorzeitige Entlassung für Gefangene aus Haft nur mit einer Wohnplatzzusage oder einem Mietvertrag möglich ist
* Hafturlaub ansonsten nur für die Gefangenen möglich, die Angehörige oder Freunde haben, von denen sie eine
Einladung zum Hafturlaub erhalten
(Werner Kaufmann)

Auch wegen einer dadurch bedingten Verringerung des Konfliktpotentials im stark der sozial-pädagogischen Kontrolle unterliegenden Wohnbereich konnte die frei gewordene men- respektive women-power im ambulanten Bereich investiert werden:

Ein weiteres Gruppenangebot für Inhaftierte der JVA PF, das neben allen anderen auch einen primär - präventiven Aspekt verfolgt, entstand.

 

Väter-Gruppe

Frei nach Wilhelm Busch: "Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr". In der Gruppe soll der besonderen Situation junger Gefangener die Vater sind Rechnung getragen werden. Neben dem vollzugstechnisch erleichterten Kontakt zur Familie stellt das Behandlungsangebot der "Väter-Gruppe" das zentrale Angebot für das Gesamtkonzept der Väterabteilung in der JVA Pforzheim dar.

Ziele der sozialen Gruppenarbeit sind:
1. Die Vermittlung von Basiskompetenz im Hinblick auf die Erziehung des Kindes
2. Die Auseinandersetzung mit der Rolle als Vater, sowie
3. Die Übernahme von Verantwortung für das Kind


Wir gehen dabei davon aus, dass die jungen Männer alternatives Verhalten erleben und erlernen müssen, um nicht eigenen negative Sozialisationserfahrungen auf die neue Generation zu übertragen: "Denn auch die jungen Gefangenen sind Söhne ihrer Väter."
(Markus Rapp)

1999 wurde eine, wenn auch bislang nur vier Wochenstunden umfassende Personalstelle, deren alleiniger Auftrag die Schuldnerberatung ist, eingerichtet.

Ein qualitativer Sprung in der Betreuung von Gefangenen mit langen Strafen wurde mit dem ersten vom BZV durchgeführten Begegnungstreffen von Angehörigen und Langzeitbestraften gewagt.

 

Begegnungstreffen

wer begegnet wem ?
und ... was trennt sie ?

Inhaftierte Männer begegnen ihren Ehefrauen, Partnerinnen, Kindern - Kinder, Frauen und Eltern ihren Inhaftierten Familienmitgliedern.
Getrennt über Jahre hinweg durch die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe. Begegnung im Gefängnis, außerhalb der wöchentlichen Besuchsstunde, wo man sich oft nicht traut, wichtiges zu besprechen, weil die Zeit viel zu schnell vorbei ist, beide Seiten sich nicht so schnell aufeinender einlassen können ..... und vieles mehr.
Begegnung in einem anderen Rahmen, in einer kleinen Gruppe, mehr Zeit miteinander zu reden, einen Tag miteinander zu gestalten, Dinge zu tun und zu erleben, die vor der Haftzeit auch Alltag waren, Beziehung zu festigen, andere kennen zu lernen, die in einer ähnlichen Situation sind und Rat und Unterstützung von Mitarbeitern zu bekommen.

Das ist Begegnung und das ist ein Begegnungstreffen, wie es erstmals im Rahmen der Langstrafengruppe in der JVA Heimsheim durchgeführt wurde.
(Susanne Höhlein)

Im Jahr 2000 haben wir auf Wunsch des Leiters der JVA Hh, dem wir gerne gefolgt sind, den Brückenschlag eingerichtet. Hiermit wollen wir auch bezüglich der Hilfen für Opfer einen weiteren Akzent setzen.

2000: Brückenschlag
Der Brückenschlag ist ein freiwilliges Tataufarbeitungs- u. Tatfolgenausgleichsprojekt, welcher an den TOA angelehnt ist. Er gibt den Tätern, die für ihre Straftat inhaftiert wurden und deren Opfern bzw. den Opferangehörigen gleichermaßen die Möglichkeit die Tat und deren Folgen aufzuarbeiten.
Da es sich beim BS oftmals um kapitale Verbrechen handelt, ist ein sorgfältiges und aufwendiges Vorgehen unbedingt erforderlich. Deshalb erhalten Opfer und Täter unterschiedliche Berater. Jede Partei bekommt außerdem die Möglichkeit, die Beratung (zunächst) nur für sich in Anspruch zu nehmen, und zwar unabhängig davon, ob ein persönliches Ausgleichsgespräch mit der anderen Seite angestrebt wird.
(Stefanie Arlt)

Nicht nur um für das Jubiläum gerüstet zu sein haben wir Gerüstteile gekauft und weitere Werbemedien geschaffen. Diese sind hier vor dem Haus zu sehen.

Und als derzeit letzten Baustein, oder im Bild bleibend, als weiteres Fenster im GRH engagieren wir uns seit dem Herbst 2000 im Bereich "Häusliche Gewalt". Wir halten im Sinne der Opfer und der Täter für beide Seiten ein Beratungs-Angebote vor, bringen unsere Kompetenzen in die Klärungs- und Konflikthilfe ein

Darüber hinaus betreten wir mit dem Sozialtraining für gewaltbereite und gewalttätige Männer Neuland.

 

Soziales Trainingsprogramm für gewalttätige Männer

"Gewalt ist kein Phänomen sondern ein Prozess."
Wir gehen davon aus, dass gewalttätiges Verhalten erlerntes Verhalten ist und somit die Möglichkeit besteht gewaltfreies Verhalten zu erlernen. In unsere Trainingsgruppe bieten wir gewalttätigen Männern die Möglichkeit ihre Wahrnehmung für das eigene Gewaltverhalten zu schärfen und ein verantwortliches, partnerschaftliches Alternativverhalten in Konfliktsituationen zu erlernen. Im Zeitraum von ca. 6 Monaten wird in wöchentlichen Treffen mit den Teilnehmern an ihrem Verhalten gearbeitet. Dabei sind Einsicht, Verantwortung und Veränderung die Meilensteine auf dem Weg einer gewaltfreien Lebensbewältigung.
(Markus Rapp)

Bei der Entwicklung und dem Wandel unserer Angebote haben wir immer versucht, den Bedarfslagen unserer Klienten gerecht zu werden. Wir haben damit aber auch drei andere Linien verfolgt: Zum einen haben wir den Umbau von einer stark kontrollierenden und kostenintensiveren reinen Wohn-Einrichtung ohne Qualitätsverlust zu einer Einrichtung die vielfältigere und offenere Angebote realisiert, betrieben.

Und zum Zweiten haben wir den Namen "soziale Rechtspflege" mit einem ganzheitlichen, weil auf Täter und Opfer, gerichteten Angebot gefüllt.

Und zum Dritten haben wir "Öffentlichkeitsarbeit" betrieben: Im beschriebenen Sinne mit eigenen Medien und Pressearbeit, aber auch, indem wir uns eingebracht haben, wenn gesellschaftliche Entwicklungen neue oder veränderte Angebote erforderten.

Sehr geehrter Leser, wir haben Ihnen die Fenster von zwanzig Jahren GRH geöffnet und ich hoffe Sie sind mit mir, mit uns, der Meinung, dass wir mit unserer Arbeit einen Beitrag zur kommunalen Sicherheit geleistet haben!

(Hubertus Welt)